13. Bolivien-Netz Konferenz in Würzburg

Am letzten Oktoberwochenende fand die bereits 13. Bolivien-Netz-Konferenz statt. Dieses Mal trafen wir uns in Würzburg, wo wir in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) ein sehr buntes Programm genossen, uns selbst versorgen konnten und an unseren Projekten arbeiteten. Mehr im Bilderbericht. 

Bilderbericht

  • Am Freitagabend trafen wir uns auf dem Konzert des Musikensembles "Los Moxos" in Würzburg, einige von uns kamen direkt in die Kirche mit vollen Koffern, wo das Konzert stattfand. Anschließend kochten und aßen wir gemeinsam im Edith-Stein-Haus, einem Studentenwohnheim, wo wir auch übernachteten.
  • Den Samstag begannen wir mit einem interaktiven Vortrag von Boris Inti Chamani zum Thema „das gute Leben“, einer indigenen Lebensphilosophie. Nach dem Vortrag bereiteten einige Fleißige von uns das Essen für ungefähr 40 Personen vor, während der Rest...
  • ...an einem Musikworhshop mit dem Ensemble "Los Moxos" aus San Ignacio de Moxos in Bolivien teilnahm.
  • "Los Moxos" stellten ihre traditionellen barocken Musikinstrumente und einige typische Tänze vor und berichteten über ihre Arbeit in San Ignacio.
  • Anschließend durften auch die Teilnehmer mit musizieren und mittanzen.
  • Eine beeindruckende Begegnung wurde durch ein gemeinsames Mittagessen abgeschlossen. Dabei konnten schon Kontakte für die nächste Orchesterreise des Ensembles geknüpft werden.
  • Nach einem leckeren Mittagessen und dem Abschied von "Los Moxos" machten wir einen Spaziergang Richtung Schloss, um das gute Wetter Würzburgs zu genießen.
  • Nach einer erholsamen Pause planten wir weiter an verschiedenen Projekten, z.B. dem Praktikumsaustausch nach Bolivien. Dabei konnten wir auch neue Mitglieder einbinden und begeistern. Es war ein produktiver Nachmittag.
  • Den Abend schlossen wir mit einer Party. Dabei durften die unterschiedlichsten Musikrichtungen und die bolivianische Folklore natürlich nicht fehlen. Ein kurzer Kürbisschnitzwettbewerb für die Gruppendynamik war auch dabei, bevor es am Sonntag nach einer letzten Projektarbeitsphase wieder nach Hause ging.
 
 
Rund 15 Teilnehmer trafen sich in diesem Rahmen, um ein Stück bolivianisches Flair in Deutschland aufleben zu lassen, Aktivitäten des Bolivien-Netzes zu planen und um mit dem Musikensemble Moxos gemeinsam zu musizieren. Die indigene Musikgruppe aus San Ignacio de Moxos (Beni) im bolivianischen Amazonasgebiet lässt in einer einzigartigen Mischung indigene Klängen mit europäischer Barockmusik verschmelzen. Geprägt wurde diese Stilrichtung durch die Missionierung der Jesuiten im 17. und 18. Jahrhundert, die europäische Kirchenmusik in das bolivianische Regenwaldgebiet trugen. 1999 wurde in San Ignacio eine Musikschule gegründet und ein Orchester aus talentierten Schülern und Lehrern gebildet. Unter der Leitung der Dirigentin Raquel Maldonado bringt das rund 20-köpfige Ensemble Barockklänge gepaart mit bolivianischer Folklore in farbenfrohen Kostümen und traditionellen Instrumenten auf Bühnen in Südamerika und Europa. Am Freitagabend gaben sie in der St. Aldabero Kirche Würzburg ein Konzert, welches das Bolivien-Netz Treffen eröffnete.
 
Der Samstagmorgen startete für die Teilnehmer mit einem Input von Boris Inti, Referenten von „Bildung trifft Entwicklung“, zum Thema „vivir bien“ („gut leben“), einem zentralen Konzept der Weltanschauung der indigenen Volksgruppen des Andenhochlandes, das in neuerer Zeit insbesondere von den Regierungen in Bolivien und Ecuador neuentdeckt und aufgegriffen wurde. Das theoretische Modell zu Beziehungen zwischen Wirtschaft, Staat, Gesellschaft und Natur hat nicht das „bessere“ Leben im Sinn von materiellen Dingen zum Ziel, sondern richtet sich auf ein solidarisches, harmonisches Miteinander im ökologischen Gleichgewicht, auf ein „gutes“ Leben, aus. Dieser Gedanke, in der indigenen Sprache Aymara „Suma Qamana“ genannt, wurde in den Verfassungen von Ecuador und Bolivien festgehalten. In diesem Kontext wurde in diesen beiden Ländern, u.a. die Natur als Verfassungssubjekt deklariert, was einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen theoretische einklagbar macht.
 
Nach Vortrag und anschließender Diskussion leitete das Musikensemble „Moxos“ einen interaktiven Workshop mit Musik und Tanz.
In der Nachmittagseinheit ging es dann in die Projektwerkstätten. In Kleingruppen wurden Aktionen des Bolivien-Netzes diskutiert und weiterentwickelt. Im Fokus standen dabei besonders drei Projekte:
• der Jahreskalender
• ALAS, in dessen Rahmen es jährlich ein bis zwei Bolivianern ermöglicht wird einen einjährigen Freiwilligendienst in Freiburg zu absolvieren, sowie
• das Praktikumsprojekt, eine Vermittlungsstelle für studentische Praktika in Bolivien.
 
An dem Kalender mit traditionellen bolivianischen Tänzen wurde am Wochenende intensiv gearbeitet, damit der Druck und Verkauf möglichst bald beginnen kann. Der Kalender kann ab sofort unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden.
 
Die ALAS-Kleingruppe beschäftigte sich vor allem mit einer Neuausrichtung des Programms. Da die Freiburger Bolivien-Netz Gruppe den Reverse-Freiwilligendienst nicht mehr alleine stemmen kann, ist eine Kooperation mit dem Bolivianischen Kinderhilfswerk und damit eine Eingliederung der Freiwilligenstellen in das Süd-Nord-Programm von „weltwärts“ im Gespräch. Ob es zu einer Kooperation kommen wird und, wenn ja, in welchem Umfang werden Gesprächen in den nächsten Wochen zeigen.
 
Das Praktikumsteam konkretisierte ihr Konzept, wobei besonders an der Erstellung eines Flyers gearbeitet wurde. Bereichert wurde das Bolivien-Netz Treffen durch Vertreter des in Würzburg aktiven Vereines „COPAL“ (Corazones por América Latina), der Projekte in Mexiko, Costa Rica und Bolivien unterstützt. Besonders eine Zusammenarbeit bei der Vermittlung von Praktika wurde an diesem Wochenende angeregt.
 
Am Samstagabend wurde die Halloween-Tradition des „Kürbisschnitzens“ belebt – mit sehr amüsanten und individuellen Ergebnissen – und später am Abend zu lateinamerikanischen Klängen getanzt und in ausgelassener Stimmung gefeiert.
 
Sonntagmorgen war noch einmal Raum für die Arbeit der Projektgruppen, die im Anschluss im Plenum vorgestellt wurden. Besonders über die Ausgestaltung der Öffentlichkeitsarbeit wurde diskutiert, konkrete Aufgaben verteilt und ein Zeitplan erarbeitet.
 
Danach hieß es auch schon wieder Abschied nehmen.
Ein weiteres Mal verflogen die Konferenztage im Nu, dank eines schönen Miteinanders, interessanter Workshops und einer produktiven Projektwerkstatt.